leaves

ISTOB Management Akademie e.V.
Richard-Strauss-Straße 56
81677 München

Telefon: +49 (0) 89.54 32 02 35
info@istob-aka.de

Bürozeiten
Montag bis Donnerstag
10:00 bis 13:00 Uhr

Psychosozialer Prozessbegleiter –
Fachpädagoge für Systemische Psychotraumatologie

Erster Kurs März bis Juli 2017
Zweiter Kurs Beginn Herbst 2017

Diese Weiterbildung haben wir auf Basis der jüngsten gesetzlichen Regelungen und Entwürfe weiterentwickelt. Sie bietet nun eine Doppel-Qualifizierung: Zum einen können die Teilnehmer bei Gericht die Zulassung zum Psychosozialen Prozessbegleiter in Strafverfahren erwerben, soweit sie die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllen. Zum anderen qualifizieren sie sich damit zum Zertifizierten Fachpädagogen für Systemische Psychotraumatologie.

Fokus: Täter-Opfer-Ausgleich

Die Weiterbildung erfüllt die Voraussetzungen zum Psychosozialen Prozessbegleiter in Strafverfahren und bildet die Grundlage für aktiven Opferschutz. Dazu betont der aktuelle Entwurf zur Ausführung des Gesetzes über die Psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren (AGPsychPbG), dass unterschiedliche Ausbildungsschwerpunkte erwünscht sind. Unsere Weiterbildung legt den Fokus auf die Befähigung zum nachhaltigen Täter-Opfer-Ausgleich (TOA). Dem ist, soweit dies als sinnvoll und vom Gericht als angebracht erachtet wird, der Vorzug vor einer reinen Bestrafung zu geben.

Krisen-Interventions-Kompetenz

Für das Kompetenzprofil der Psychosozialen Prozessbegleitung resultiert daraus ein deutlicher Unterschied im Vergleich zu „normalen“ Ermittlungs- und Gerichtserfahren. Bei letzteren ist es wichtig, Opfer vor allem im Hinblick auf die Hauptverhandlung vorzubereiten und zu unterstützen. Hingegen setzt die psychotraumatologische Versorgung meist dann ein, wenn ein Täter bereits aus dem Gesichtsfeld des Opfers genommen beziehungsweise verurteilt ist.

Termine 2017
22 – 26 März
26 – 30 April
19 – 23 Juli

Zusätzlich 2 x 2 Tage
Supervision nach Vereinbarung

Anfragen / Informationen zur Weiterbildung
info@istob-aka.de

Anmeldung
PDF-Dokument

Beim Täter-Opfer-Ausgleich kehrt sich diese Relation nahezu um: Es gilt, die Begegnungsfähigkeit von Opfer und Täter zu erreichen, noch während die Ermittlungsverfahren mit ihren zusätzlichen Belastungen laufen sowie die Hauptverhandlung mit ihrem Unwägbarkeiten aussteht. Über den professionellen Umgang mit solchen Belastungsstrukturen hinaus muss die Psychosoziale Prozessbegleitung in der Lage sein, familiäre und andere relevante Bezugssysteme von Tätern und Opfern in eine nachhaltige, gemeinsam tragfähige Lösungsfindung mit einzubeziehen.
Dazu sind neben juristischen und viktimologischen Kenntnissen vor allem ein hohes Maß an systemischer Krisen-Interventions- und kommunikativer Kompetenz vonnöten, sowie die Befähigung zur gezielten Unterstützung der psychotraumatologischen Resilienz bei Opfern und ihren Angehörigen.

Rapid Turnaround

Dabei ist oft die Fähigkeit der Psychosozialen Prozessbegleitung zum „Rapid Turnaround“ in akuten Krisensituationen erforderlich. Das gelingt mit Hilfe einer zeitlich unmittelbaren Präsenz, wie sie durch ein semi-virtuelles Coaching geleistet wird. Es genügt nicht, etwa nur den telefonischen Kontakt zum Opfer herzustellen. Vielmehr sind soziale Bezugssysteme von Opfer und Täter mit einzubeziehen, besonders dann, wenn diese durch den Strafprozess selber von den Spannungen betroffen sind oder diese gar verstärken. Dies bisweilen auf der Basis semi-virtueller und video-gestützter Herangehensweisen mit zu leisten, stellt eine besondere Herausforderung dar, die im Rahmen der Weiterbildung ebenfalls vermittelt und eingeübt wird.

Systemische Psychotraumatologie

Diese Kompetenzprofile sind über die Psychosoziale Prozessbegleitung hinaus in unterschiedlichen Kontexten gefragt. Dazu zählen das akute Krisen- und Konfliktmanagement in Familien oder Schulen, als auch in Teams und Organisationen, wenn es dort etwa durch Mobbing zur Bildung von Täter-Opfer-Systemen und zur Viktimisierung der „Unterlegenen“ kommt. Die Prozesse der „Opfer“-Stabilisierung und der Ermutigung statt Entmutigung, sowie die Bildung einer posttraumatischen Resilienz ähneln vom Vorgehen und den Instrumentarien her gesehen denen der Psychosozialen Prozessbegleitung. Im Rahmen der Weiterbildung wird auf diesen wechselseitigen Kompetenztransfer großer Wert gelegt. Dies qualifiziert zum Fachpädagogen für Systemische Psychotraumatologie und kann zusätzlich zertifiziert werden.

Neues Berufs- und Aufgabenfeld

Die „Psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren“ bildet überdies ein neu definiertes Aufgaben-, Berufs- und Arbeitsfeld. Sie dient dem aktiven Opferschutz bei strafrechtlichen Ermittlungen und Strafprozessen. Die Beiordnung eines psychosozialen Prozessbegleiters stellt für die betroffenen Opfer bei bestimmten Strafprozessen nunmehr einen Rechtsanspruch dar, der zum 1. Januar 2017 in Kraft tritt. Daraus entsteht ein erheblicher Bedarf an dieser beruflichen Qualifizierung, deren Inanspruchnahme für die betroffenen Opfer kostenfrei ist und die von den Gerichten auf gesetzlicher Basis vergütet wird.

Das bietet ein spannendes und zukunftsweisendes Tätigkeitsfeld für Systemische Coaches, Mediatoren und andere Professionen aus dem psychosozialen Kontext, die eine verantwortungsvolle und umfassende Aufgabe zum Opferschutz übernehmen möchten. An die Professionalität dieser Arbeit werden von den Justizministerien, Gerichten und Staatsanwaltschaften hohe Ansprüche gestellt. Das spiegelt sich in den Zulassungskriterien für die Ausbildung sowie in den erforderlichen theoretischen und praktischen Inhalten wider. Im Mittelpunkt stehen die professionelle Begleitung und vorbeugende sowie nachsorgende Unterstützung von Opfern, sowohl während der Phase der strafrechtlichen Ermittlungen als auch während der gerichtlichen Verhandlungen. Diese Kenntnisse werden im Rahmen unserer Weiterbildung durch intensive Auseinandersetzung mit psychotraumatologisch-systemischen Herangehensweisen erweitert als auch vertieft.

Lösungs-, ressourcen- und entwicklungsorientierte Arbeit

Wesentliches Ziel ist es dabei, die Opfer gegen (Re-) Traumatisierungen und das Abgleiten in eine persistierende „Opfer-Identität“ mit ihren zahlreichen sozialen und gesundheitlichen Risiken („sekundäre Viktimisierung“) zu schützen. Das ist im Kontext des TOA gleichermaßen zu beachten. Um die Professionalität dieser Arbeit zu gewährleisten, stehen der versierte Umgang mit lösungs-, ressourcen- und entwicklungsorientierten Ansätzen im Vordergrund, sowie mediative Verfahren im Sinn des Täter-Opfer-Ausgleichs. Im Hinblick auf die Ermittlungen sind psychosoziale Prozessbegleiter strikt der Neutralität verpflichtet.

Zulassungskriterien

Um zur Ausbildung zum Psychosozialen Prozessbegleiter in Strafverfahren zugelassen zu werden, ist ein Studium der Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik (Uni oder FH) und berufliche Erfahrung, beziehungsweise eine vergleichbare berufliche Ausbildung und Tätigkeit erforderlich.

Inhalte

Das Ausbildungsprogramm ist interdisziplinär ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen folgende theoretisch wie praktisch fundierte Inhalte:

  • Systemisches Arbeiten im Kontext der Psychosozialen Prozessbegleitung
  • Täter-Opfer-Ausgleich – Chancen, Risiken, Lösungen
  • Juristische Grundlagen – Ermittlungs- und Hauptverfahren
  • Psychotraumatologische Resilienz
  • Krisen-Interventions-Kompetenz
  • Kommunikative Kompetenz
  • Selbstvorsorge und Qualitätssicherung

Format

Die zertifizierte Ausbildung zum Psychosozialen Prozessbegleiter umfasst 220 Stunden/WE (vier Workshops a‘ vier Tage zuzüglich 2×2 Tage themen-, prozess- und fallbezogene Supervision, begleitete Prozessbeobachtungen mit Reflexion und Intervision, angeleitetes Selbststudium mit Peergroups, Dokumentation, Fallarbeit und Kolloquium).
Die Weiterbildung kostet 3900 Euro, zahlbar bis Beginn der Weiterbildung, oder vier Raten a‘ 1050 Euro, zahlbar jeweils bis Beginn des nächsten anstehenden Workshops. Es gelten die AGBs.

Sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, ist eine Zulassung zum Psychosozialen Prozessbegleiter bereits nach dem zum 1. Workshop (März 2017) möglich.
Darüber hinaus ist aufgrund des Weiterbildungsschwerpunktes nach erfolgreichem Abschluss der gesamten Weiterbildung die Zertifizierung zum Fachpädagogen für Systemische Psychotraumatologie durch die ISTOB Akademie möglich.

Als Referenten wirken für den psychosozialen Themenkreis Psychologen, Psychosoziale Prozessbegleiter, Systemische Lehrtrainer, Fachpädagogen für Psychotraumatologie und Ausbilder für Mediation mit, für den rechtlichen Themenkreis Rechtsanwälte, Staatsanwälte, Richter und Kriminalisten.
Ansprechpartner ist Dr. Raimund Schwendner, Beauftragter der Systemischen Gesellschaft (SG) für Psychosoziale Prozessbegleitung. Anfragen und weitere Informationen unter info@istob-aka.de
Siehe auch https://systemische-gesellschaft.de

Deutscher Mediationstag 2016:
Psychosoziale Prozessbegleitung – Chancen der Mediation im Strafprozess
PDF-Dokument
Externer Link

Systemischer Mediator

Mediation ist im Kontext von Change-Management ein außerordentlich hilfreiches Instrument. Sie bindet die Konfliktpartner in die Lösungsfindung mit ein und setzt auf Selbstorganisation, Mitverantwortung, Kompromissbereitschaft und Kooperation der Parteien. Sie bringt blockierte Entwicklungsprozesse wieder in Gang. Die ISTOB Management Akademie bietet diesen Aufbaukurs als Ergänzung zum Systemischen Coaching an. Dies in Kombination hat einen besonderen Wert, um der stetig steigenden Nachfrage nach Mediation gerecht zu werden. Für uns ist Mediation ein Beratungsformat, das in besonderer Weise dazu geeignet ist, bei konflikthaften Interaktionsprozessen die Kontrahenten zu unterstützen, sowie eigenverantwortlich Lösungen und Wege zu einer einvernehmlichen Beilegung eines Konfliktes zu entwickeln.

Kursleitung
Michael Fischer
Ursula Haupt
Christiane Schiff

Anfragen/Termine
info@istob-aka.de